Kunstradfahren in Coronazeiten

02.11.2020

Am 09. Februar war die Welt noch in Ordnung. Wir starteten mit dem ersten Durchgang des Bezirkspokals in die Saison 2020. Die Kinder waren voll motiviert ... mehr

Am 09. Februar war die Welt noch in Ordnung. Wir starteten mit dem ersten Durchgang des Bezirkspokals in die Saison 2020. Die Kinder waren voll motiviert und haben mit sehr viel Trainingsfleiß ihre jeweiligen Küren perfektioniert. Corona war noch kein Thema, der Virus war offiziell auf China begrenzt.

Kurz darauf stiegen in ganz Europa und auch in Deutschland die Fallzahlen an, der Sportbetrieb wurde zunächst komplett verboten. Wie in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens wusste zu diesem Zeitpunkt niemand wie es weitergehen wird. Es stellten sich mehrere Fragen: Wie lange wird kein Training möglich sein, werden Wettkämpfe verschoben oder gar abgesagt, wie sieht es mit den Qualifikationsrichtlinien aus, insbesondere in Bezug auf den Nationalkader und/oder die internationalen Wettkämpfe? Die Telefone sind heiß gelaufen, konkrete Antworten standen nicht zur Verfügung. Die Bundes-, Landes- und Kreisrichtlinien waren unterschiedlich und widersprachen sich teilweise. Eine große Unterstützung bei der Auslegung der Richtlinien waren mir in dieser Zeit Dieter Maute, Bundestrainer Kunstradsport, und Jennifer Schweizer, Vizepräsidentin Kunstradsport Landesverband Baden.

Nach etwa vier Wochen war klar, dass für Nationalkaderathleten eine Ausnahmegenehmigung seitens des Landes Baden-Württemberg geschaffen war. Konkret besagte diese, dass Sportler nur alleine bzw. mit Personen des eigenen Hausstandes trainieren durften. Für Sebastian bedeutete dies, dass er ab Mitte April den Trainingsbetrieb ohne nennenswerte Einschränkungen wieder aufnehmen konnte. Zum Glück gehörte ich als Trainerin der gleichen Haushaltsgruppe an, andere Sportler hatten da weniger Glück. An dieser Stelle gilt ein großer Dank der Gemeindeverwaltung Buchenbach, die flexibel und schnell die neuen Richtlinien umsetzte und uns die Sommerberghalle während Lock-down 1 zur Verfügung stellte.

Doch was sollte mit den anderen Kunstradfahrern passieren? Die Kinder hatten keine Schule, ihnen war langweilig und sie wollten trainieren. Immer wieder hat mich eines der Kinder kontaktiert, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt. Ab Ende Mai waren die Lockerungen soweit fortgeschritten, dass Kleintrainingsgruppen bis maximal fünf Personen im Freien gemeinsam Sport treiben durften. So haben wir uns auf Abstand auf dem Gummenwaldsportplatz ein- bis zweimal die Woche getroffen und Kondition- Gleichgewicht- und Krafttraining durchgeführt. Auf diese Weise haben wir uns nicht aus den Augen verloren und es konnte ein bisschen Vereinszugehörigkeit gelebt werden.

Für alle Beteiligten war es schließlich eine große Erleichterung, als Ende Juni, wenn auch unter strengen Auflagen, wieder ein sportartspezifisches Training in der Halle möglich war. Diese Auflagen sahen, entsprechend einem mit der Gemeinde ausgearbeiteten Hygienekonzept, das Folgende vor:
·       nur 16 Personen in der Sommerberghalle
·       konsequentes Führen einer Teilnehmerliste
·       keine Hilfestellung durch „haushaltsfremde“ Personen
·       Abstandsregel (wie überall)
·       Desinfektion benutzter Sportgeräte
·       kein Umziehen in der Halle

Für unseren Sport war die Einschränkung der Hilfestellung eine besondere Herausforderung. Gelöst wurde diese durch die engagierte Einbindung von Eltern und Geschwistern der jüngeren Sportler, die teilweise in jedem Training anwesend waren, um bei neuen Schwierigkeiten zu sichern. Neben den Sportlern, bin auch ich für diese Hilfe sehr dankbar.

Leider waren die geänderten Trainingsumstände für manche Eltern nicht nachvollziehbar und Anlass ihre Kinder abzumelden. Das bedauere ich sehr, da mir bei den bemängelten Maßnahmen die Hände gebunden waren.

Über die Sommermonate war schließlich ein nahezu „normales“ Training möglich. Die Kinder konnten von mir wieder gesichert werden. Voraussetzungen waren hierfür Einverständniserklärungen, das Tragen einer Maske meinerseits sowie ein regelmäßiges Desinfizieren der Hände.

Und die Wettkämpfe?
Im Laufe des Sommers wurde in verschiedenen BDR-Gremien die Durchführung von  Wettkämpfen unter Coronaauflagen diskutiert. Als Musterwettkampf diente schließlich die Baden-Württembergische Meisterschaft der Elite in Ravensburg. Wenngleich der Wettkampf erfolgreich verlief und Sebastian mit neuer persönlicher Bestleistung einen 2. Platz gewann, blieb es der einzige Wettbewerb für dieses Jahr. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig, wobei es im Wesentlichen an den Ausrichtern scheiterte. Ein Wettkampfformat ohne Zuschauer und die Möglichkeit einer Bewirtung schreckte viele Vereine ab. Für unseren Sport sehr schade, aber bei all den Unsicherheiten in dieser Zeit nachvollziehbar. Die Umstände wurden jedoch zum Anlass genommen eine Modernisierung der Wettkampfübertragung anzuregen. So soll es in Zukunft möglich sein, sämtliche Qualifikationswettkämpfe und Meisterschaften in hochwertigen online Streams zu verfolgen. Die Daumen hierfür sind gedrückt.

Wie geht es jetzt weiter? Mit der Ankündigung des 2. Lockdowns für November stellen sich erneut einige unbeantwortete Fragen…

Gabriele Zähringer, Trainerin und
Leiterin Abteilung Kunstradfahren

 
 

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